Dienstag, 29. November 11, (00:00)

Das etwas andere Krippenspiel

Berliner Morgenpost - 29.11.2011

Ein Kind im Speisetrog. Igitt! So hat sich Ox seinen Feierabend nicht vorgestellt. Statt das Heu in der Krippe zu verputzen und dann gemütlich im Stroh zu chillen, gibt es Geschrei. Schuld daran muss dieser dumme Esel sein.

Da wir uns in der Heiligen Nacht in einem Stall in Bethlehem befinden, vermutet der herbeigeeilte Esel das Jesuskind in der Krippe, das die Soldaten des Königs suchen. Ox ist das egal. Er will seine Ruhe, er will das wimmernde Bündel loswerden. Esel schimpft ihn einen Rohling, und schon fliegen die Fetzen.

Mit Strohballen und Heu-Krippe in einen Stall verwandelt, geht es in der Alten Näherei des Stadtbads Steglitz in Norbert Ebels kultiger Weihnachtskomödie "Ox & Esel" ausgesprochen turbulent zu. Regisseur Stefan Neugebauer hat das etwas andere Krippenspiel für alle Altersklassen gelungen mit vielen boulevardesken Elementen und Gags gespickt. Er zieht die Geschichte mit ihrer einfachen humanen Botschaft aber nie ins Lächerliche.

Sigurd Bremme als klatschsüchtiger, geschwätziger Esel und Friedhelm Ptok als brummiger, polternder Ox walzen ihren WG-Zwist unter einem hübsch-kitschigen Gemälde von Maria mit dem Jesuskind genüsslich aus. Dabei ist mal der eine, mal der andere wahlweise stinksauer oder beleidigt. Die Tür knallt zeitweise im Sekundentakt. Schöner kann ein echter Ehekrach kaum sein.

Währenddessen kümmern sich beide aber auch um das Kind, füttern und windeln es. Esel fürsorglich vernarrt, Ox zunächst widerwillig. Der gemeinsame Feind, die Soldaten des Königs, versöhnt sie wieder und prompt schimpfen sie auf die unverantwortlichen Eltern des Kleinen, die vermutlich Shoppen sind. Nach gut einer Stunde stimmen sie ein Schlaflied für ihr Findelkind an und so wird es zum Schluss mit dem Klassiker "Stille Nacht" noch ganz heimelig. Ein knackiges Krippenspiel für alle, die es nicht zuckrig-süß, aber dennoch ein wenig besinnlich mögen.

Ulrike Borowczyk


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