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Premiere-Romeo und Julia - was wäre wenn ... Es war die Lerche (in der Wäscherei)
Romeo und Julia - was wäre wenn ... Es war die Lerche (in der Wäscherei)
Freistil Tango (im Café Freistil)
Romeo und Julia - was wäre wenn ... Es war die Lerche (in der Wäscherei)
Romeo und Julia - was wäre wenn ... Es war die Lerche (in der Wäscherei)
Prozess in der Dampfsauna: Auf Kafkas Spuren im Stadtbad
Berliner Morgenpost - 17.07.10
Man könnte glatt verloren gehen in dem Gewirr unterirdischer Gänge. Vorbei an endlosen Rohren und Leitungen im Kellergewölbe des Stadtbads Steglitz hat man nur eine Chance, wenn man den undurchdringlichen Wächtern folgt.
Aber bitteschön unauffällig, wie sie immer wieder gemahnen. Langsam stellt sich bei den schmalen tief hinabführenden Betontreppen ein leicht klaustrophobisches Gefühl ein. Dabei hatte alles wie ein heiterer Spaziergang begonnen. Auch für Josef K., den Verhafteten, auf dessen Spuren man sich von einem Ort zum nächsten begibt. Gerade wurde er in seiner Wohnung von zwei Wächtern (Alexander Klages, Martin Langenbeck) verhaftet. Warum? Das wird ihm nicht mitgeteilt. Noch hält der smarte Banker in selbstgefälliger Manier den ganzen Prozess ohnehin für einen schlechten Scherz.
Trotz glasklarer Sprache entführt Franz Kafkas fragmentarischer Roman "Der Prozess" in eine sich nie ganz erschließende geheimnisvolle Welt. Die szenische Bearbeitung von Regisseur Stefan Neugebauer versucht sich denn auch gar nicht an neuen Antworten, sondern macht das undeutbare Gedankenlabyrinth durch die ungewöhnliche Inszenierung auf originelle Weise erfahrbar, geht es doch auf Irrwegen durch das riesige, verwinkelte Gebäude. Zum zehnjährigen Jubiläum des Clubtheaters Berlin, das seit 2006 im stillgelegten Hallenbad eine Heimstätte gefunden hat, lässt es Stefan Neugebauer richtig krachen, ist er doch als Regisseur ein Spezialist für Theater an außergewöhnlichen Orten. Diesmal bietet er gleich sechs Schauplätze auf. Darunter den kühlen Maschinenraum als Schmieren-Gericht, das leere Schwimmbassin mit zahllosen Umkleidekabinen als verrätselte Amtsstuben und zum Finale die prächtige Dampfsauna.
Überall wartet schon dräuend der Prozess mit prangendem Schriftzug auf den Angeklagten Josef K., denn angeblich wird das Gericht durch seine Schuld angezogen. Gerolamo Fancellu spielt zum zweiten Mal nach "Ein Bericht für eine Akademie" einen seltsam verschrobenen Kafka-Protagonisten. Er verstrickt sich immer heftiger in seinen persönlichen Albtraum. Anfangs ungläubig großmäulig, zum Schluss verstört. Verstehen wird man Kafka wohl nie, aber am Ende dieses Abends glaubt man zumindest, den Hintersinn im Sinnentzug erahnen zu können.
Ulrike Borowczyk
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