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Mittwoch, 13. Februar 08, (00:00)

Startblöcke am Bar-Tresen: Abtauchen im Café Freistil

Berliner Morgenpost - Bezirke 13.02.08

Im Stadtbad Steglitz tafelt der Gast im Schwimmbecken - Sanierung stockt

 

Steglitz-Zehlendorf Fast möchte man die Straßenschuhe gegen Badeschlappen tauschen: Gleich am Eingang zum neuen Café Freistil im Stadtbad Steglitz hängt ein Duschvorhang mit gro- ßen Kreisen in Orange, Hellgrün und Blau. Einen Schritt weiter befindet sich der Besucher auf dem Grund eines Schwimmbeckens. Boden und Wände des Cafés sind mit türkisfarbenen Fliesen ausgelegt, Edelstahltische des Berliner Designers Colin Steiner glänzen wie Armaturen. Über der Bar hängen blaue Lämpchen wie dicke Wassertropfen, drei Startblöcke bilden den Tresen.

Doch der Sprung ins Wasser ist weder im Café noch im Schwimmbecken der Kuppelhalle möglich. Das Jugendstilbad ist ein Sanierungsfall und liegt seit sechs Jahren auf dem Trocknen. Eigentümerin Gabriele Berger gibt sich jedoch zuversichtlich: Mit dem jetzt eröffneten Café Freistil in den ehemaligen DLRG-Räumen feiert sie den ersten fertiggestellten Bauabschnitt im Bad.

Eigentlich wollte Gabriele Berger das Stadtbad an der Bergstraße 90 zum 100. Jubiläum am 8. Juli 2008 wieder eröffnen. Das sei nicht mehr zu schaffen, sagt die Sportlehrerin, die bereits das Bewegungsbad in Marienfelde betreibt. Sie hat das Bad Ende 2003 für einen Euro vom Liegenschaftsfonds übernommen, mit der Auflage, den denkmalgeschützten Bau zu sanieren. Sechs Millionen Euro braucht die 57-Jährige zum Umbau des Bades, für das sie viele Pläne hat. Nach der Sanierung können Badbesucher nicht nur wieder ihre Bahnen im Becken ziehen sondern auch in der russisch-römischen Sauna schwitzen oder Lesungen und Theateraufführungen besuchen. Wer will, kann die Nacht im Bad verbringen: In der alten Wannenbadabteilung sollen Hotelsuiten entstehen. Zur Energiegewinnung kommen Sonnenenergie, Erdwärme und ein Blockheizkraftwerk zum Einsatz.

Die agile Eigentümerin will alles im Alleingang schaffen. Nichts fürchtet sie mehr als "eine feindliche Übernahme". Daher lehnt sie auch Modelle ab, wie im Stadtbad Oderberger Straße praktiziert. Dort ist die Stiftung Denkmalschutz Berlin eingesprungen und wird jetzt das Bad sanieren. Sie hätte viel zu viel Angst, dass sie ihr Konzept nicht durchziehen könne, sagt Gabriele Berger. Das habe sie schließlich schon erfolgreich in Marienfelde erprobt.

Und trotzdem wird sie auf Hilfe angewiesen sein. "Die Finanzierung stockt", gibt sie zu. 1,5 Millionen Euro Eigenkapital muss sie aufbringen. Dabei setzt sie auf bürgerliches Engagement. Sie führt derzeit Gespräche mit potenziellen Partnern, die "das Konzept gut finden und bereit sind, dafür Geld zur Verfügung zu stellen".

Bis die Finanzierung steht, will sie mit einem Förderverein die Kultur im Stadtbad Steglitz ausbauen. Seit 2005 hat Gabriele Berger vor allem durch Konzert- und Theateraufführungen dafür gesorgt, dass das Bad stadtweit bekannt wurde. Der Jugendstil-Kuppelbau, die prächtige Sauna, das alte Waschhaus und der weitläufige Hof bieten eine außergewöhnliche Kulisse, die unter anderem vom Clubtheater-Berlin als Location genutzt werden.

Ganz in Freistil-Manier kann nun erst einmal täglich außer Sonntags, 10 bis 24 Uhr, im Café getafelt werden. Das Frühstück lässt sich nach Belieben kombinieren: Lachs oder Schinken, Käse oder Aufschnitt, Krustenbrot oder Knäckebrot - alles gibt es einzeln oder in Eigenregie zusammengestellt. Besucher der Theaterveranstaltungen können den Tag bei einem Glas Wein oder Bier beschließen. Gabriele Berger verspricht sich vom Cafébetrieb einen Schub für das ganze Stadtbad-Projekt. "Das Café wird den Ort noch interessanter machen", erhofft sie sich.

Von Katrin Lange


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